Lehrerkonferenz Antisemitismus Schulen Sachsen Synagoge Dresden Kultuminister Clemens

Handlungssicherheit stärken – Antisemitismus wirksam begegnen

Fachtagung für Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeit in Sachsen am 14. September 2026 in Dresden

Antisemitische Vorfälle gehören zunehmend zum Schulalltag. Sie reichen von offenen Anfeindungen über israelbezogenen und verschwörungsideologischen Antisemitismus bis hin zu subtilen Formen der Ausgrenzung. Viele Situationen bewegen sich unterhalb der Strafbarkeitsgrenze – und verlangen dennoch ein klares, pädagogisch fundiertes Handeln.

Wie können Schulen Betroffene wirksam schützen? Wie gelingt es, antisemitischen Äußerungen professionell zu begegnen und zugleich ein demokratisches, respektvolles Schulklima zu stärken?

Diesen Fragen widmet sich die Fachtagung „Handlungssicherheit stärken – Antisemitismus wirksam begegnen.“Sie richtet sich an Lehrkräfte aller Schularten, Schulleitungen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie weitere pädagogische Fachkräfte in Sachsen. Dazu laden die Jüdische Gemeinde zu Dresden und der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden am 14. September, von 14 bis 17 Uhr, in das Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde (Hasenberg 1, Dresden) ein. 

Freuen Sie sich auf hochkarätige Fachimpulse und den Austausch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Beratung, Schule und Verwaltung.

Das Programm

  • Grußwort des Sächsischen Staatsministers für Kultus, Conrad Clemens
  • Fachvortrag von Marina Chernivsky, Gründerin und Geschäftsführerin der Beratungsstelle OFEK
  • Vortrag von Natalija Bock, Ombudsperson der Sächsischen Staatsregierung gegen Diskriminierung an Schulen
  • Moderiertes Podiumsgespräch mit:
    • Kristian Raum, Schulleiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Pirna
    • Dr. Raja-Léon Lange, Fachnetzwerk gegen Antisemitismus Sachsen, Ariowitsch-Haus Leipzig
    • Dr. Ulrike Weißbach, Landesamt für Schule und Bildung

Neben aktuellen fachlichen Erkenntnissen erhalten Sie konkrete Handlungsempfehlungen für den schulischen Alltag und lernen Beratungs- und Unterstützungsangebote kennen. Die Veranstaltung bietet zudem Raum für Vernetzung und Erfahrungsaustausch.

Eine Teilnahme ist sowohl vor Ort als auch online per Videolink möglich.

Besondere Einladung

Im Anschluss an die Fachtagung sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich eingeladen zum Synagogenfest anlässlich des Wiedereinzugs der Jüdischen Gemeinde zu Dresden in Synagoge und Gemeindezentrum am Hasenberg sowie zum Empfang anlässlich „100 Jahre Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden“.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren fanden in Synagoge und Gemeindezentrum Bauarbeiten statt, um die Sicherheit zu erhöhen. 

Freuen Sie sich auf Grußworte hochrangiger Gäste wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Vize-Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Mark Dainow, ein Konzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie mit Werken verfolgter und verfemter jüdischer Komponisten (Erwin Schulhoff, Alexander Zemlinsky, Felix Mendelssohn, Franz Schreker, Erich W. Korngold) sowie zwei begleitende Ausstellungen zur jüdischen Geschichte und Gegenwart in Sachsen.

Handlungssicherheit stärken – Antisemitismus wirksam begegnen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Anmeldung unter sekretariat@jg-dresden.org unter Angabe, ob Sie in Präsenz oder per Videolink teilnehmen möchten. Sie können für die Anmeldung auch diesen QR-Code scannen.

ISRAEL JUDEN 7. OKTOBER MEDIENKRIEG ESTHER SCHAPIRA GEORG HAFNER CHEMNITZ

Der 7. Oktober, die Juden und der Medienkrieg

Chemnitz, 22. April 2026. „Die Medien sind effektiver als Raketen, Flugzeuge und Drohnen, wenn es darum geht, den Feind zum Rückzug zu zwingen und Herzen und Köpfe zu beeinflussen“. Dieses Credo verkündete der damalige iranische Revolutionsführer, Ayatolla Ali Khamenei schon im März 2024. Er ergänzte: „Jeder Krieg ist ein Medienkrieg und wer den gewinnt, gewinnt jeden Krieg“. 

Ist dieser Krieg verloren? Immerhin gab es seit der Shoa nie eine solche Welle an Antisemitismus weltweit, unterfüttert und begleitet von ungezügeltem Hass auf Israel und alle Juden in der Kultur, in den sozialen Medien und in akademischem Gewand an Hochschulen. Welche Verantwortung tragen auch seriöse Medien für diese Entwicklung? Die TV-Journalisten und Publizisten Esther Schapira und Georg M. Hafner beschreiben diesen Medienkrieg und seine verheerenden Folgen für unsere Gemeinschaft – in einem Vortrag mit anschließender Diskussion am 20. Mai 2026, 18 bis 20 Uhr im TIEZ, Moritzstraße 20, Chemnitz. Der Eintritt ist frei, aber nur nach Anmeldung hier möglich.

Esther Schapira war leitende Fernsehredakteurin bei der ARD (Hessischer Rundfunk) und Kommentatorin der Tagesthemen. Schwerpunkt ihrer redaktionellen Arbeit sowie als Filmemacherin und als Autorin sind die Themen Shoa, Rechtsextremismus, Islamismus, Israel und Nahost. Sie ist Trägerin des Elisabeth-Selbert Preises, der Buber-Rosenzweig Medaille und der Theodor-Lessing-Medaille und wurde u.a. mit dem Prix Europa, dem Civis-Preis und beim New York Film Festival ausgezeichnet. Zu ihren ausgezeichneten Filmen gehören „Das Kind, der Tod und die Wahrheit – wer erschoss Mohammed Al Durah?“, „Der Tag als ich ins Paradies wollte“, „Der Tag als Theo van Gogh erschossen wurde“. Seit 2021 ist sie freie Autorin und Moderatorin in Frankfurt a.M.

Georg M. Hafner war seit 1988 leitender Fernsehredakteur bei der ARD und ist Autor zahlreicher Filmdokumentationen, zuletzt des Dokumentarfilms „München 1970 – Als der Terror zu uns kam“. Für seine Filme erhielt er u.a. den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis, den Prix Europa und den Premios Ondas. Er ist Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille. Seit 2013 ist er freier Autor und Publizist in Frankfurt a.M.

Zu seinen Buchveröffentlichungen zusammen mit Esther Schapira gehören u.a. „Die Akte Alois Brunner“ (Campus/Rowohlt), „Das Kind, der Tod und die Medienschlacht um die Wahrheit – Der Fall Mohammed al-Durah“ (Edition Critic 2014), „Israel ist an allem schuld“ (Eichborn/Lübbe 2015). Beide sind regelmäßige Autor*innen der Jüdischen Allgemeinen Zeitung.

Rafael Seligmann Keine Schonzeit für Juden Buchvorstellung Chemnitz Dresden

Rafael Seligmann stellt sein neues Buch in Sachsen vor

Dresden, April 2026. „Keine Schonzeit für Juden – die Antwort eines Betroffenen“, so lautet der Titel des neuen Buchs von Rafael Seligmann. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Bildungsforum Sachsen, holt zusammen mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden K.d.ö.R. den Schriftsteller, Politologen und Historiker nach Sachsen. Am 20. April, 18 Uhr, stellt er sein Buch in der Volkshochschule Chemnitz (Moritzstraße 20) vor. Der Eintritt ist frei, aber nur nach Anmeldung hier möglich. Am 21. April, 18 Uhr, ist er in der Dresdner Dreikönigskirche (Hauptstraße 23) zu Gast. Der Eintritt ist ebenfalls frei, aber nur nach Anmeldung hier möglich. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Bundesverdienstorden Holocaustüberlebende Renate Aris Chemnitz Gratulation

Landesverband gratuliert der Chemnitzerin Renate Aris zum Bundesverdienstorden

Dresden, 3. März 2026. Die Chemnitzerin Renate Aris ist eine der letzten Holocaust-Überlebenden in Sachsen. Am 3. März wurde sie für ihre Verdienste mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Ekaterina Kulakova, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, gratulierte ihr zu der Auszeichnung und würdigte sie mit den Worten:  

Renate Aris mit dem Bundesverdienstorden. Ebenfalls im Bild: Der Chemnitzer Gemeinderabbiner Michael Jedwabny, Landesverbands-Präsidiumsmitglied Elena Gaft und Landesverbandsvorsitzende Ekaterina Kulakova (v.l.)

„Renate Aris widmet ihre Kraft und ihre Zeit mit großem Engagement der Zukunft unseres Landes. Mit bewundernswerter Offenheit sucht sie das Gespräch mit den Menschen – ehrlich, zugewandt und stets im respektvollen Austausch. Diese Begegnungen mit der Holocaust-Überlebenden sind gerade für die junge Generation wichtig. Solche Gespräche schenken Orientierung und stärken das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, ein demokratisches, gerechtes und lebenswertes Deutschland zu bauen. Ich kenne Renate Aris seit vielen Jahren persönlich und schätze sie sehr. Sie ist ein mutiger, warmherziger und zutiefst engagierter Mensch. Den Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden erfüllt es mit großer Freude und Stolz, dass Renate Aris mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde.“

Der Verdienstorden wird vom Bundespräsidenten verliehen, Renate Aris erhielt die besondere Auszeichnung aus den Händen von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Zur Begründung hieß es: „Ein zentraler Pfeiler ihres Wirkens ist ihre jahrzehntelange Tätigkeit als Stimme der Aufklärung. Trotz ihres hohen Alters tritt sie sachsen- und bundesweit in Schulen und Bildungseinrichtungen auf, um jungen Generationen die Gräuel der NS-Zeit authentisch und fundiert zu vermitteln. Als „Brückenbauerin“ und gefragte Ratgeberin in der gesellschaftspolitischen Jugendbildung verleiht sie der Mahnung „Nie wieder ist jetzt“ eine starke, persönliche Stimme. Zudem widmete sie sich intensiv dem Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und der Integration jüdischer Zuwanderer, insbesondere durch den von ihr mitbegründeten Jüdischen Frauenverein. Renate Aris erwarb sich damit herausragende Verdienste um das Gemeinwohl.“

Kooperation gegen Antisemitismus Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und Hochschule der Sächsischen Polizei

Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden startet Workshops gegen Antisemitismus an Polizeihochschule

Dresden, 28. Januar 2026. Das Sächsische Staatsministerium des Innern und der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden haben am 28. Januar einen Kooperationsvertrag zur Bekämpfung von Antisemitismus unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist eine langfristige und kontinuierliche Zusammenarbeit, um antisemitischen Einstellungen und Straftaten in Sachsen wirksam zu begegnen und jüdisches Leben zu stärken.

Nach der Unterschreibung des Kooperationsvertrags: Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa, Landesverband-Vorsitzende Ekaterina Kulakova und ihr Stellvertreter Konstantin Zahariev (von rechts nach links).

Zwischen April und Juni werden zunächst gemeinsam mit dem Dresdner Verein Hatikva und dem Kulturbüro Sachsen zehn ganztägige Workshops an der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) durchgeführt. Diese richten sich an Polizeikommissaranwärterinnen und -anwärter sowie Masterstudierende der Polizei Sachsen. Die Veranstaltungen vermitteln fundierte Kenntnisse zu Formen und Ideologien des Antisemitismus und stärken die Handlungskompetenz der Polizei im Umgang mit Betroffenen.

Die Seminare werden fundierte Kenntnisse zu Wesen, Erscheinungsformen und Ideologien des Antisemitismus vermitteln und die Handlungskompetenz der Polizei im professionellen und sensiblen Umgang mit Betroffenen stärken.

Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa sagte dazu: „Der Schutz jüdischen Lebens ist eine wichtige Aufgabe der sächsischen Polizei. Deshalb heben wir mit der neu gefassten Kooperation erfolgversprechende Möglichkeiten für umfangreiche Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zwischen Polizei und den jüdischen Gemeinden zur Stärkung der interkulturellen Kompetenzen geschaffen. Mit diesem Schritt unterstreichen wir das gegenseitige Vertrauen und das gemeinsame Verantwortungsgefühl.“

Die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Ekaterina Kulakova, betonte:  „Wenn mir jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, dass die Polizei zum Beispiel Weihnachtsmärkte und andere große Feiern so massiv schützen muss, hätte ich das nicht geglaubt. Heute ist das Realität. Ganz kritisch ist die Gefährdung jüdischer Einrichtungen. Eine verständnisvolle und hoch sensible Zusammenarbeit zwischen dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und der sächsischen Polizei ist vor diesem Hintergrund sehr wichtig. Durch die Workshops bekommen die angehenden Polizisten nicht nur praktische Unterstützung, sondern auch einen Einblick in das jüdische Leben heute und in die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft. Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa gilt großer Dank, dass er den Weg der engen Kooperation geht.“

Die neue Kooperation knüpft an das erfolgreiche Projekt „Klug gegen Antisemitismus“ an, das die Polizei Sachsen gemeinsam mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden zwischen 2022 und 2024 umgesetzt hat.

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden bringt in die Kooperation bewusst auch eine Betroffenenperspektive ein. Beabsichtigt ist, das Vertrauen jüdischer Bürgerinnen und Bürger in staatliche Institutionen – insbesondere in die Polizei – zu stärken. (Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des sächsischen Innenministeriums und des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden)

Erinnerung an Siegmund Rotstein 100 Geburtstag Jüdische Gemeinde Chemnitz Landesverband Sachen

Erinnerung an Siegmund Rotstein

Chemnitz, Dezember 2025. Mit einem Empfang und einem Podiumsgespräch erinnerte die Stadt Chemnitz anlässlich seines 100. Geburtstags an den langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Siegmund Rotstein (1925 – 2020). Ab 1990 war er auch Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Thüringen der Jüdischen Gemeinden bzw. später des sächsischen Landesverbandes. Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze sagte, jüdisches Leben habe seinen festen Platz in der Stadt. Das sei mit der Verdienst von Siegmund Rotstein, dem der Stadtrat 2007 die Ehrenbürgerschaft zuerkannt hatte. Am Podiumsgespräch nahmen Siegmund Rotsteins Tochter, Marion Rotstein, Holocaustüberlebende Renate Aris, der frühere Chemnitzer Oberbürgermeister Peter Seifert und der Historiker Jürgen Nitsche teil. Sie würdigten den Holocaustüberlebenden, der aus dem Ghetto Theresienstadt nach Chemnitz zurückkehrte und ab 1952 vier Jahrzehnte lang die Jüdische Gemeinde leitete.

Trauer um CDU Politiker Lothar Klein Fürsprecher jüdische Gemeinschaft Israel

Trauer um Lothar Klein

Dresden, 5. Dezember 2025. Sachsens jüdische Gemeinschaft trauert mit um den kürzlich verstorbenen CDU-Politiker Lothar Klein (1956-2025). Mit ihm verlieren wir einen engen Freund und einen Fürsprecher mit klarer Haltung. Er ist nie müde geworden, vor wachsendem Antisemitismus zu warnen. Ebenso wie die Mahnung war ihm die Solidarität mit Israel Herzenssache. Er bereiste den jüdischen Staat unzählige Male und setzte sich stets für ein positives und angemessenes Bild des Landes ein. Bis zuletzt war er als Ehrenvorsitzender des von ihm mitbegründeten Vereins Sächsische Israelfreunde aktiv. Lothar Klein wurde am 2. Dezember 2025 auf dem Friedhof an der Kreuzkirche in Dresden-Weißig beigesetzt. Sein Andenken möge ein Segen sein.

Keine Schonzeit für Juden Buch von Rafael Seligmann Lesungen in Dresden und Leipzig

Rafael Seligmann liest aus seinem neuen Buch in Dresden und Leipzig

Dresden/Leipzig, 4. September 2025. „Keine Schonzeit für Juden – die Antwort eines Betroffenen“, so lautet der Titel des neuen Buchs von Rafael Seligmann. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Bildungsforum Sachsen, holt zusammen mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden K.d.ö.R. den Schriftsteller, Politologen und Historiker für zwei Lesungen nach Sachsen. Diese finden in Dresden am 24. September und in Leipzig am 25. September statt. Der Eintritt ist frei. Interessenten können sich für beide Abend unter www.kas.de/sachsen anmelden. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Wann ist Kritik an Israel antisemitisch Vortrag

Die rote Linie – wenn Kritik an Israel zu Antisemitismus wird

Dresden, 27. August 2025. An jedem Tag des Kriegs gegen die Terror-Organisation Hamas wird Israel und die Regierung des Landes kritisiert (ganz anders als die Hamas). Wo aber liegt die Grenze zwischen möglicher Kritik und Antisemitismus? Nina Fridman vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden hielt folgenden Vortrag am 25. August 2025 im Rahmen des Israel-Sonntags in der Dresdner Kreuzkirche, organisiert von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V.. Hier der komplette Vortrag, aus dem unter Angabe der Quelle zitiert werden darf.

Alle Zeitungen beschäftigen sich mit dem Krieg gegen die Terrororganisation Hamas. Die Berichterstattung ist aber unterschiedlich (Illustration).

Ich beginne mit einer Geschichte. Eine Schlagzeile kann die Welt entzünden.

Am 17. Oktober 2023, nur zehn Tage nach den Hamas-Angriffen, meldete die New York Times: „Israelischer Angriff tötet Hunderte in Krankenhaus, sagen palästinensische Behörden.“ Die BBC titelte ähnlich: „Hunderte bei israelischem Angriff auf Krankenhaus im Gazastreifen getötet.“ Genannt wurde die Zahl 500, direkt von den Hamas-Behörden.

Binnen Stunden war das Narrativ überall. Millionen sahen es auf dem Handy. Sprechchöre übernahmen es. Die Straße reagierte, bevor Fakten vorlagen. 

In Amman stürmten Menschenmengen auf die israelische Botschaft zu. In Istanbul und Beirut kam es zu Zusammenstößen. In Tunis brannten Flaggen, während Demonstranten Israel des „Völkermords“ beschuldigten. Am nächsten Tag versammelten sich Hunderte in London. In Berlin wurden die Proteste gewalttätig – 65 Polizisten wurden verletzt. Und in den frühen Morgenstunden flogen zwei Molotowcocktails auf eine Berliner Synagoge.

Tage später kam die Wahrheit ans Licht. Mehrere forensische Analysen zeigten: Eine fehlgeleitete Rakete, abgefeuert vom Islamischen Dschihad aus dem Gazastreifen selbst, war auf dem Krankenhausparkplatz explodiert.

Die erste Geschichte war falsch. Die Korrektur kam leise – der Schaden war längst da.

Geschriene Anklage, geflüsterte Korrektur: Das Muster der Verzerrung

Das ist kein Einzelfall. Am 25. Juli dieses Jahres brachte die New York Times eine Titelgeschichte über Hungersnot. Im Zentrum: das Foto eines schwer unterernährten Jungen aus dem Gazastreifen. Die Bildsprache erinnerte bewusst an Opfer der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager. Gepaart mit Kommentaren über „Völkermord“ war die Botschaft klar: Dies war nicht nur ein tragischer Krieg; dies war ein einzigartig böser jüdischer Staat.

Tage später folgte eine Anmerkung: Das Kind hatte erhebliche Vorerkrankungen – ein entscheidender Kontext, der fehlte. 

Wo erschien dieses Update? Nicht auf dem Haupt-X-Account der New York Times mit 55 Millionen Followern, sondern auf einem Neben-X-Account mit 88 Tausend. 

55 Millionen gegen 88 Tausend! Die Anklage wurde geschrien. Die Korrektur wurde geflüstert.

Die Zahl als Waffe: Wie Behauptungen zu „Fakten“ werden

Die Voreingenommenheit steckt auch in den täglichen Zahlen. Gemeint sind die Opferzahlen aus Gaza.

Es beginnt mit einer Gesamtzahl der Hamas-Behörden – dem Apparat, der beim Krankenhausfall gelogen hat. Diese Zahl trennt nicht zwischen Zivilisten und Hamas-Terroristen. Dann setzt die Verstärkung ein. Medien wiederholen die Zahl. Die UN zitiert die Medien. Politiker zitieren die UN. Der Ursprung bei der Hamas verschwindet. Aus einer Behauptung wird scheinbare Tatsache.

Währenddessen wird der Kontext ausgelöscht – keine Erinnerung daran, wie die Hamas kämpft, aus Schulen und Krankenhäusern heraus, oder warum dieser Krieg am 7. Oktober begann, mit Geiseln, die immer noch in ihren Tunneln festgehalten werden.

Wenn die Öffentlichkeit eine große Zahl ohne Aufschlüsselung hört, stellt sie sich verständlicherweise nur zivile Opfer vor. Israel wird als alleiniger Aggressor dargestellt. 

Das ist nicht ein Ausrutscher. Das ist die Erschaffung eines systematischen, irreführenden Narrativs.

Klartext: Was keine legitime Kritik ist

Wo überschreitet Kritik die Grenze zum Antisemitismus? Lassen Sie es mich klar sagen: Kritik an der israelischen Politik ist legitim. Aber es gibt eine Grenze, die durch drei Dinge definiert wird: Dämonisierung, Delegitimierung und doppelte Standards.

Das Foto des hungernden Kindes, aufgeladen mit Holocaust-Bildern, ist Dämonisierung. Die unkritische Nutzung von Hamas-Quellen für Krankenhaus und Opferzahlen ist ein doppelter Standard. Stellen Sie sich vor, große Medien würden russischen Angaben zum Ukraine-Krieg sofort trauen. Ihre Alarmglocken würden läuten. Bei Israel aber gilt plötzlich: Hamas-Quellen sind zuverlässig. Das ist die neue, schockierende Normalität.

Reden wir Klartext:

Es ist keine legitime Kritik, von Israel „sofortigen Kriegsstopp“ zu fordern und die Ursachen auszublenden. Erstens: Die Hamas hält noch Geiseln – erst Freilassung, dann Waffenstillstand. Zweitens: Die Hamas regiert noch Gaza – wie die Nazis 1945 nicht in Deutschland bleiben konnten, kann die Hamas 2025 nicht in Gaza bleiben.

Es ist keine legitime Kritik, Israel für einen Krankenhaus-Angriff zu verurteilen und die Hamas-Tunnel darunter zu verschweigen.

Es ist keine legitime Kritik, einen Schlag nahe einer UN-Einrichtung zu verurteilen und das Hamas-Kommandozentrum darunter zu ignorieren, das Strom aus dem UN-Netz bezog.

Es ist keine legitime Kritik, Israel für getötete Journalisten verantwortlich zu machen und zu vergessen, dass ein Teil dieser Hamas-Operative waren – oder sogar Geiselnehmer.

Es ist keine legitime Kritik, Israel für „Hungersnot“ verantwortlich zu machen und die bewusste Instrumentalisierung von Nahrungsmitteln durch die Hamas zu übergehen.

Diese „Kritik“ löscht die Hamas aus dem Bild und macht Israel zum Monster.  Das ist keine Kritik. Das ist Antisemitismus im modernen Gewand.

Drei Regeln gegen die Manipulation

Was können wir als Bürger tun? Drei einfache Gewohnheiten helfen.

Erstens: Zeit nehmen. Bei explosiven Behauptungen: 24 Stunden warten – nicht sofort eine Meinung posten, Emotionen zurückstellen.

Zweitens: Nicht sofort trauen – auch nicht den Mainstream-Medien. Prüfen Sie mehrere, voneinander unabhängige Quellen.

Drittens: Gleiche Lautstärke. Wer die erste Geschichte geteilt hat, muss die Korrektur mit derselben Energie teilen.

Wenn der Fehler herausgeschrien wurde, muss auch die Richtigstellung herausgeschrien werden.

Quellen zu diesem Vortrag:

1 https://web.archive.org/web/20231017181014/https:/www.nytimes.com/

2 https://web.archive.org/web/20231017182939/https:/www.nytimes.com/ 

3 https://web.archive.org/web/20231017181111/https:/www.bbc.com/news/ 

4 https://www.deutschlandfunk.de/mehr-als-60-polizisten-verletzt-reul-cdu-spricht-von-irrer-lage-100.html 

5 https://www.tagesspiegel.de/berlin/molotowcocktails-auf-berliner-synagoge-geworfen-innensenatorin-spranger-sieht-angriff-auf-grundfeste-unseres-miteinanders-10642945.html 

6 https://web.archive.org/web/20250123115920/https:/www.nytimes.com/2023/10/23/pageoneplus/editors-note-gaza-hospital-coverage.html 

7 https://static01.nyt.com/images/2025/07/25/nytfrontpage/scan.pdf 

8 https://honestreporting.com/another-photo-another-lie/ 

9 https://x.com/NYTimesPR/status/1953573569230999734 

10 https://x.com/nytimes 

11 https://nypost.com/2025/05/19/world-news/israel-likely-killed-hamas-leader-mohammed-sinwar-in-gaza-offensive/ 

12 https://nypost.com/2024/02/11/news/israel-uncovers-tunnels-beneath-unrwas-headquarters-in-gaza/ 

13 https://aish.com/the-journalist-who-was-a-hamas-terrorist/