Wann ist Kritik an Israel antisemitisch Vortrag

Die rote Linie – wenn Kritik an Israel zu Antisemitismus wird

Dresden, 27. August 2025. An jedem Tag des Kriegs gegen die Terror-Organisation Hamas wird Israel und die Regierung des Landes kritisiert (ganz anders als die Hamas). Wo aber liegt die Grenze zwischen möglicher Kritik und Antisemitismus? Nina Fridman vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden hielt folgenden Vortrag am 25. August 2025 im Rahmen des Israel-Sonntags in der Dresdner Kreuzkirche, organisiert von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V.. Hier der komplette Vortrag, aus dem unter Angabe der Quelle zitiert werden darf.

Alle Zeitungen beschäftigen sich mit dem Krieg gegen die Terrororganisation Hamas. Die Berichterstattung ist aber unterschiedlich (Illustration).

Ich beginne mit einer Geschichte. Eine Schlagzeile kann die Welt entzünden.

Am 17. Oktober 2023, nur zehn Tage nach den Hamas-Angriffen, meldete die New York Times: „Israelischer Angriff tötet Hunderte in Krankenhaus, sagen palästinensische Behörden.“ Die BBC titelte ähnlich: „Hunderte bei israelischem Angriff auf Krankenhaus im Gazastreifen getötet.“ Genannt wurde die Zahl 500, direkt von den Hamas-Behörden.

Binnen Stunden war das Narrativ überall. Millionen sahen es auf dem Handy. Sprechchöre übernahmen es. Die Straße reagierte, bevor Fakten vorlagen. 

In Amman stürmten Menschenmengen auf die israelische Botschaft zu. In Istanbul und Beirut kam es zu Zusammenstößen. In Tunis brannten Flaggen, während Demonstranten Israel des „Völkermords“ beschuldigten. Am nächsten Tag versammelten sich Hunderte in London. In Berlin wurden die Proteste gewalttätig – 65 Polizisten wurden verletzt. Und in den frühen Morgenstunden flogen zwei Molotowcocktails auf eine Berliner Synagoge.

Tage später kam die Wahrheit ans Licht. Mehrere forensische Analysen zeigten: Eine fehlgeleitete Rakete, abgefeuert vom Islamischen Dschihad aus dem Gazastreifen selbst, war auf dem Krankenhausparkplatz explodiert.

Die erste Geschichte war falsch. Die Korrektur kam leise – der Schaden war längst da.

Geschriene Anklage, geflüsterte Korrektur: Das Muster der Verzerrung

Das ist kein Einzelfall. Am 25. Juli dieses Jahres brachte die New York Times eine Titelgeschichte über Hungersnot. Im Zentrum: das Foto eines schwer unterernährten Jungen aus dem Gazastreifen. Die Bildsprache erinnerte bewusst an Opfer der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager. Gepaart mit Kommentaren über „Völkermord“ war die Botschaft klar: Dies war nicht nur ein tragischer Krieg; dies war ein einzigartig böser jüdischer Staat.

Tage später folgte eine Anmerkung: Das Kind hatte erhebliche Vorerkrankungen – ein entscheidender Kontext, der fehlte. 

Wo erschien dieses Update? Nicht auf dem Haupt-X-Account der New York Times mit 55 Millionen Followern, sondern auf einem Neben-X-Account mit 88 Tausend. 

55 Millionen gegen 88 Tausend! Die Anklage wurde geschrien. Die Korrektur wurde geflüstert.

Die Zahl als Waffe: Wie Behauptungen zu „Fakten“ werden

Die Voreingenommenheit steckt auch in den täglichen Zahlen. Gemeint sind die Opferzahlen aus Gaza.

Es beginnt mit einer Gesamtzahl der Hamas-Behörden – dem Apparat, der beim Krankenhausfall gelogen hat. Diese Zahl trennt nicht zwischen Zivilisten und Hamas-Terroristen. Dann setzt die Verstärkung ein. Medien wiederholen die Zahl. Die UN zitiert die Medien. Politiker zitieren die UN. Der Ursprung bei der Hamas verschwindet. Aus einer Behauptung wird scheinbare Tatsache.

Währenddessen wird der Kontext ausgelöscht – keine Erinnerung daran, wie die Hamas kämpft, aus Schulen und Krankenhäusern heraus, oder warum dieser Krieg am 7. Oktober begann, mit Geiseln, die immer noch in ihren Tunneln festgehalten werden.

Wenn die Öffentlichkeit eine große Zahl ohne Aufschlüsselung hört, stellt sie sich verständlicherweise nur zivile Opfer vor. Israel wird als alleiniger Aggressor dargestellt. 

Das ist nicht ein Ausrutscher. Das ist die Erschaffung eines systematischen, irreführenden Narrativs.

Klartext: Was keine legitime Kritik ist

Wo überschreitet Kritik die Grenze zum Antisemitismus? Lassen Sie es mich klar sagen: Kritik an der israelischen Politik ist legitim. Aber es gibt eine Grenze, die durch drei Dinge definiert wird: Dämonisierung, Delegitimierung und doppelte Standards.

Das Foto des hungernden Kindes, aufgeladen mit Holocaust-Bildern, ist Dämonisierung. Die unkritische Nutzung von Hamas-Quellen für Krankenhaus und Opferzahlen ist ein doppelter Standard. Stellen Sie sich vor, große Medien würden russischen Angaben zum Ukraine-Krieg sofort trauen. Ihre Alarmglocken würden läuten. Bei Israel aber gilt plötzlich: Hamas-Quellen sind zuverlässig. Das ist die neue, schockierende Normalität.

Reden wir Klartext:

Es ist keine legitime Kritik, von Israel „sofortigen Kriegsstopp“ zu fordern und die Ursachen auszublenden. Erstens: Die Hamas hält noch Geiseln – erst Freilassung, dann Waffenstillstand. Zweitens: Die Hamas regiert noch Gaza – wie die Nazis 1945 nicht in Deutschland bleiben konnten, kann die Hamas 2025 nicht in Gaza bleiben.

Es ist keine legitime Kritik, Israel für einen Krankenhaus-Angriff zu verurteilen und die Hamas-Tunnel darunter zu verschweigen.

Es ist keine legitime Kritik, einen Schlag nahe einer UN-Einrichtung zu verurteilen und das Hamas-Kommandozentrum darunter zu ignorieren, das Strom aus dem UN-Netz bezog.

Es ist keine legitime Kritik, Israel für getötete Journalisten verantwortlich zu machen und zu vergessen, dass ein Teil dieser Hamas-Operative waren – oder sogar Geiselnehmer.

Es ist keine legitime Kritik, Israel für „Hungersnot“ verantwortlich zu machen und die bewusste Instrumentalisierung von Nahrungsmitteln durch die Hamas zu übergehen.

Diese „Kritik“ löscht die Hamas aus dem Bild und macht Israel zum Monster.  Das ist keine Kritik. Das ist Antisemitismus im modernen Gewand.

Drei Regeln gegen die Manipulation

Was können wir als Bürger tun? Drei einfache Gewohnheiten helfen.

Erstens: Zeit nehmen. Bei explosiven Behauptungen: 24 Stunden warten – nicht sofort eine Meinung posten, Emotionen zurückstellen.

Zweitens: Nicht sofort trauen – auch nicht den Mainstream-Medien. Prüfen Sie mehrere, voneinander unabhängige Quellen.

Drittens: Gleiche Lautstärke. Wer die erste Geschichte geteilt hat, muss die Korrektur mit derselben Energie teilen.

Wenn der Fehler herausgeschrien wurde, muss auch die Richtigstellung herausgeschrien werden.

Quellen zu diesem Vortrag:

1 https://web.archive.org/web/20231017181014/https:/www.nytimes.com/

2 https://web.archive.org/web/20231017182939/https:/www.nytimes.com/ 

3 https://web.archive.org/web/20231017181111/https:/www.bbc.com/news/ 

4 https://www.deutschlandfunk.de/mehr-als-60-polizisten-verletzt-reul-cdu-spricht-von-irrer-lage-100.html 

5 https://www.tagesspiegel.de/berlin/molotowcocktails-auf-berliner-synagoge-geworfen-innensenatorin-spranger-sieht-angriff-auf-grundfeste-unseres-miteinanders-10642945.html 

6 https://web.archive.org/web/20250123115920/https:/www.nytimes.com/2023/10/23/pageoneplus/editors-note-gaza-hospital-coverage.html 

7 https://static01.nyt.com/images/2025/07/25/nytfrontpage/scan.pdf 

8 https://honestreporting.com/another-photo-another-lie/ 

9 https://x.com/NYTimesPR/status/1953573569230999734 

10 https://x.com/nytimes 

11 https://nypost.com/2025/05/19/world-news/israel-likely-killed-hamas-leader-mohammed-sinwar-in-gaza-offensive/ 

12 https://nypost.com/2024/02/11/news/israel-uncovers-tunnels-beneath-unrwas-headquarters-in-gaza/ 

13 https://aish.com/the-journalist-who-was-a-hamas-terrorist/ 

Gratulation an die Holocaust-Überlebende Renate Aris zum 90. Geburtstag

Glückwunsch an Renate Aris zum 90. Geburtstag

Chemnitz, 25. August 2025. Eine der letzten Holocaust-Überlebenden in Sachsen feierte am 25. August 2025 ihren 90. Geburtstag. Um Renate Aris zu gratulieren, kamen am Montag rund 100 Menschen in die Räume der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, unter anderem der Präsident des Sächsischen Landtags, Alexander Dierks, der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze und die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Ekaterina Kulakova. 

Zu den Gratulanten gehörten neben Gemeindevorstand und -mitgliedern, Familie sowie Freunden unter anderem auch Vertreter der Jüdischen Kulturtage Chemnitz und des Vereins Ukrainisches Haus. Der neue Gemeinderabbiner Michael Jedwabny sang das Lied „Yeruschalaim schel-zahav“, der Gemeindechor intonierte „Le-Dor va-Dor“ und „Osseh Schalom“.

Als Höhepunkt trug sich Renate Aris in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz ein – ihr Name war darin bereits seit einigen Jahren enthalten. Nun bekam sie eine eigene Seite. 

Grußworte aus Chemnitz und Kirjat Bialik

Die Vorsitzende der Gemeinde, Ruth Röcher, sagte: „Wer sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinden in der DDR und in Sachsen beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen Aris. Ein kurzer Name mit langer Geschichte und großer Bedeutung. Das Einbringen in das jüdische Leben wurde Renate Aris in die Wiege gelegt. Davon profitiert seit 50 Jahren die Jüdische Gemeinde Chemnitz. Sie hat mehrere ehrenamtliche Aufgaben übernommen und war immer bereit, im Namen der Gemeinde, für die Gemeinde, für das Judentum und für Israel aufzustehen und ihre Treue und Liebe kundzutun. Renate Aris tritt trotz ihrer zarten und kleinen Erscheinung laut und stark vor. Sie hat zu allem eine Meinung, die sie gerne mitteilt.“ Renate Aris sei das bekannteste Mitglied der Gemeinde, über sie wurde sogar in japanischen Medien berichtet. Ruth Röchers Geburtstagswunsch an Renate Aris: „Mach weiter so! Mit viel Freude und Gesundheit bereichere unser Leben. Mazal tov, bis 120!“

Der Chemnitzer Gemeinderabbiner Michael Jedwabny sagte: „Ihre Arbeit und Ihr Engagement sind ein Band, das Generationen miteinander verbindet, das Erinnerungen bewahrt und Werte weiterträgt. Sie haben nicht nur die Vergangenheit gehütet, sondern auch an der Zukunft gebaut. Es gibt ein Sprichwort im Judentum: Wer ein einziges Leben rettet, rettet eine ganze Welt. Aber es gibt auch Menschen, die allein durch ihr Beispiel, durch ihre Ausstrahlung und ihre Taten Hunderte inspirieren. Menschen, die Gemeinschaften zusammenhalten und stärken. Renate Aris ist einer dieser Menschen.“

Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze sagte in seiner Geburtstagsansprache: „Ihre Stimme ist ein Schatz, ein Vermächtnis und eine Mahnung. Wir ehren heute auch die Verantwortung, die Renate Aris an uns übergibt.“

Eli Dukorsky, Bürgermeister der Chemnitzer Partnerstadt Kirjat Bialik im Norden Israels, schickte eine Video-Botschaft an Renate Aris. Darin heißt es unter anderem: „Du gehörst zu einer Generation starker Menschen, die alles gesehen haben und die sich aus der Schwierigkeit erhoben und ein neues Leben aufgebaut haben. Deine menschliche Wärme ist ein Segen für alle. Ich bin froh, das Privileg zu haben, eine Frau wie dich zu kennen.“

Jubilarin bittet um Spenden für gute Zwecke in Israel

Die Jubilarin wünscht sich statt Sachgeschenken eine Spende für den Jüdischen Nationalfonds (Keren Kayemeth le-Jisrael), mit deren Hilfe Bäume in den Bergen bei Jerusalem gepflanzt werden. Auch Spenden für das Museum der Chemnitzer Partnerstadt Kirjat Bialik, den Beit Katz, sind willkommen. Für Spenden kann das Konto der Jüdischen Gemeinde Chemnitz (IBAN DE378709 621 4 0300 002013) genutzt werden. Bitte als Verwendungszweck „Renate Aris für Jerusalem und Kirjat Bialik“ angeben. Spendenbescheinigungen sind möglich.

20 Familienangehörige in der Schoa ermordet

Renate Aris kam 1935 in Dresden als Tochter von Susanne und Helmut Aris und als Schwester von Heinz-Joachim Aris zur Welt. Als Kind erlebte sie die Ausgrenzung und Entrechtung von Juden in Sachsen. Am 16. Februar 1945 sollte sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder in ein Konzentrationslager deportiert werden. Die alliierten Luftangriffe auf Dresden retteten der Familie das Leben, ermöglichten ihr die Flucht vor dem sicheren Tod. Renate Aris ist eine der sehr wenigen, die als Kind den Holocaust überlebt haben. 20 Familienangehörige wurden in der Schoa ermordet.

„Wir sind zur Gemeindearbeit erzogen worden“

Nach Kriegsende blieb die Familie Aris in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR. Sowohl Heinz-Joachim Aris als auch Renate Aris engagierten sich jahrzehntelang mit Hingabe für die jüdische Gemeinschaft. Renate Aris war von 1988 bis 2003 stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, außerdem jahrelang Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden. „Wir sind zur Gemeindearbeit erzogen worden“, sagt sie. Ihr Leitsatz lautet: „Nicht warten, bis andere etwas machen, sondern selbst mittun.“

Gründerin des ersten Jüdischen Frauenvereins

1999 gründete sie den Jüdischen Frauenverein, den ersten in den neuen Bundesländern. „Mir ging es darum, jüdische Bildung und jüdisches Wissen zu vermitteln – auf eine vergnügliche Art und Weise“, sagt sie. Mit der Zuwanderung aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion war der Bedarf daran in der Gemeinde sprunghaft gewachsen. Zu den Themen gehörten unter anderem die  Geschichte der Juden in Sachsen, die koschere Küche oder die Staatsgründung von Israel. 1875 hatte sich der erste Jüdische Frauenverein in Chemnitz gegründet, er bestand bis zur Auflösung durch die Nazis 1939. 

Vor mehr als 600 Schulklassen Zeugnis abgelegt

Renate Aris ist eine gefragte Zeitzeugin. Bis heute stand sie vor mehr als 600 Schulklassen und berichtete vor Menschen aus allen Bevölkerungskreisen über den Nationalsozialismus und die Vernichtung jüdischen Lebens in Nazi-Deutschland. Trotz ihres Alters ist sie dieser Aufgabe treu geblieben. Erst vor wenigen Wochen hielt sie an der TU Dresden im Rahmen der Jüdischen Campuswoche Mitteldeutschland einen Vortrag, ebenso vor einem vollen Saal in der Alten Börse Leipzig. Das große Interesse erfüllt sie mit Freude und die Treffen mit jungen Leuten halten sie in Bewegung, wie sie sagt. „Wichtig ist, dass dieses Zeugnis von ihnen weitergegeben wird.“ Aktuell setzt sie sich für den Wiederaufbau des Alten Leipziger Bahnhofs in Dresden als Erinnerungs-, Begegnungs- und Lernort ein. Von dort starteten in der Nazi-Zeit Deportationszüge in die Gettos und Vernichtungslager. 

Trägerin des Sächsischen Verdienstordens

2016 wurde Renate Aris mit dem Sächsischen Verdienstorden ausgezeichnet, unter anderem für ihre Beteiligung am Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde Chemnitz nach der Friedlichen Revolution. Außerdem wurde ihr Engagement für die Bildungsarbeit gewürdigt. 2022 erhielt sie den Ehrenpreis des Chemnitzer Friedenspreises für ihre Lebensleistung. 

Anmeldung für den jüdischen Religionsunterricht

Jetzt die Kinder für den jüdischen Religionsunterricht anmelden

Dresden, 31. Juli 2025. Alle Eltern sind herzlich eingeladen, ihre Kinder für den jüdischen Religionsunterricht anzumelden! Gerade heute ist es wichtig, dass sie ihre Wurzeln kennenlernen und Gemeinschaft erleben. Übrigens ist der jüdische Religionsunterricht in Dresden, Chemnitz und Leipzig auch für nicht-jüdische Schüler offen. Am Israel Chai!

Hier können Sie sich mit allen Fragen auch rund um Sicherheit an uns wenden.

Дрезден, 31 июля 2025 г. Приглашаем всех родителей записать своих детей на занятия по изучению иудаизма в общеобразовательных школах! Сегодня особенно важно, чтобы дети узнали о своих корнях, познакомились с еврейскими традициями и нашими еврейскими общинами. Изучение иудаизма  в Дрездене, Хемнице и Лейпциге открыто также для учащихся нееврейского происхождения. Am Israel Chai!

Вы можете связаться с нами по любым вопросам, в том числе связанным с безопасностью.

Neuer Rabbiner in Chemnitz – herzlich willkommen Michael Jedwabny

Herzlich willkommen, Baruch haBo, Rabbiner Jedwabny in Chemnitz

Chemnitz, 1. Juli 2025. Michael Jedwabny ist neuer Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chemnitz. Hier stellt sich Rav Jedwabny in einem Grußwort selbst vor.

Schalom uWracha, liebe Freunde!

Mit Freude, Spannung und tiefer Dankbarkeit trete ich mein Amt als Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chemnitz an. Vor mir liegt die wichtige Aufgabe, mit euch zusammen zu leben, zuzuhören, zu lehren und gemeinsam eine echte, lebendige Gemeinschaft aufzubauen.

Ich wurde 1976 in Moskau geboren, in eine jüdische Familie, in der – wie bei vielen in der Sowjetunion – die Tradition bereits fast verloren war. Dennoch erinnere ich mich mit Dankbarkeit an meine Großeltern, die noch Lieder, Bräuche und Sprache bewahrten. Als Jugendlicher spürte ich eine tiefe Sehnsucht nach Wurzeln und Sinn – das war mein eigener Schritt, kein Fortsetzen einer bestehenden Tradition. Ich besuchte eine jüdische Schule, wanderte später nach Israel aus, lernte in einer Jeschiwa in Rechovot und danach im Kollel in Jerusalem, wo ich meine Smicha unter Raw Rakowski erhielt. Sein Ansatz, Strenge mit Tiefe und Respekt zu verbinden, prägt mich bis heute.

In den letzten Jahren war ich Rabbiner in Aachen und bin weiterhin am Rabbinatsgericht der Schweiz tätig. Die Begegnungen mit Menschen in verschiedensten Situationen haben mich gelehrt: Ein Rabbiner ist kein Richter, sondern ein Begleiter, der unterstützt und inspiriert.

Ich benutze das Wort „Religiosität“ ungern. Es klingt fremd, als wäre es nur für wenige gedacht. In Wirklichkeit sprechen wir über jüdische Identität – das tiefe Gefühl, Teil eines Volkes zu sein, das die Tora bewahrt und die Offenbarung am Sinai weiterträgt. Es geht nicht um Etiketten oder Level, sondern um das Empfinden: „Ich gehöre dazu.“ Deshalb teile ich Juden nicht in „praktizierend“ und „nicht praktizierend“ ein. Diese Kategorien sind äußerlich. Wir alle sind auf einem Weg. Selbst wer sich heute als fern oder atheistisch bezeichnet, hat oft einfach noch keine echte, lebendige, warmherzige Tora kennengelernt. Die jüdische Seele bleibt immer wach.

Meine Aufgabe ist es, das Verständnis zu wecken, dass Jüdischsein nicht bloß ein historisches Merkmal oder eine Last ist. Jude zu sein bedeutet keine Bürde, sondern eine freudige, bewusste Art, zu leben. Diese Freude entsteht nicht nur aus äußeren Formen, sondern vor allem aus dem tiefen inneren Genuss, den man in der Tora und den Mizwot findet. Die Gebote sind kein bloßes Pflichtprogramm, sondern ein lebendiger Dialog mit Gott, eine Quelle von Licht und Inspiration. Die Tora ist nicht nur ein Gesetzbuch, sondern eine Begegnung mit der Ewigkeit, eine Möglichkeit, sich als Teil eines großen Plans zu erleben.

Jüdischsein ist nicht nur ethnische Zugehörigkeit, sondern eine Lebensweise: denken, sich freuen, fühlen, schaffen. Es verwandelt das Leben von bloßem Überleben in ein erfülltes, sinnvolles Dasein. Darin liegt die Kraft der jüdischen Seele: die Mizwot nicht aus Gewohnheit, sondern mit Bewusstsein und Freude zu erfüllen – wenn jeder Schritt zur Verbindung mit der Quelle des Lebens wird.

Ich bin nach Chemnitz gekommen, um gemeinsam mit euch zu lernen, Fragen zu teilen und die Liebe zur Tora zu leben. Lernen ist nicht nur Wissensweitergabe, sondern Begegnung mit sich selbst, mit der Gemeinschaft, mit Gott. Es bewegt die Seele und verbindet uns.

Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, nicht nur aktive Mitglieder einzubeziehen, sondern auch jene, die am Rand stehen. Wir müssen auf die zugehen, die den Kontakt verloren haben oder nicht wissen, dass es für sie einen Platz gibt. Jeder von uns kann Brücke sein – mit einem Wort, einer Einladung, einem Akt der Aufmerksamkeit.

Ich bin auch offen für Fragen zum Giur, besonders für Zera Israel – Nachkommen jüdischer Familien, die ihren Weg zurück suchen. Dieser Weg erfordert Klarheit und Mut, aber er ist von großer Bedeutung, für die Einzelnen wie für das Volk. Ich begleite ihn mit Respekt, Strenge und Mitgefühl.

Und schließlich – die Vision. Chemnitz soll ein Magnet werden, für Sachsen und vielleicht ganz Deutschland. Ein Ort, an dem Menschen nicht nur einen Status, sondern eine lebendige jüdische Seele an ihre Kinder weitergeben möchten. Wo Freude, Wärme, Lachen und die Musik des Lebens spürbar sind – geboren aus dem Moment, in dem die Tora das Herz erreicht.

Lasst uns gemeinsam bauen. Mit Sinn, Mut, Güte und Hoffnung.

Meine Tür ist offen. Mein Herz auch.

Mit Respekt und Herzlichkeit,

Rabbiner Michael Jedwabny

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Шалом увраха! Приветствие нового раввина общины Хемница

Дорогие друзья!

С радостью, волнением и глубокой благодарностью я вступаю в должность раввина еврейской общины Хемница. Передо мной важная задача: быть с вами, слушать, учить и вместе строить настоящую, живую общину.

Я родился в Москве в 1976 году, в еврейской семье, где традиция, как и у многих в Советском Союзе, была сильно ослаблена. Однако мои бабушка и дедушка хранили память — обычаи, песни, язык, интонации. Когда в подростковом возрасте я почувствовал тягу к корням и смыслу, это был мой личный выбор, а не продолжение семейной традиции. Я поступил в еврейскую школу, затем уехал в Израиль, учился в йешиве в Реховоте и колеле в Иерусалиме, где получил раввинскую смиху под руководством раввина Раковского. Его подход научил меня соединять строгость закона с глубиной мысли и уважением к человеку.

В последние годы я служил раввином в Ахене и продолжаю работать в раввинском суде Швейцарии. Встречи с людьми в самых разных жизненных ситуациях укрепили моё убеждение: раввин — не судья, а спутник на пути, который поддерживает и вдохновляет.

Я не люблю слово «религиозность». Оно звучит отчуждённо, как будто речь идёт о чем-то отдельном, чужом большинству. Мы говорим о еврейской идентичности — о глубоком ощущении принадлежности к народу, который хранит Тору и память о Синайском откровении. Это не ярлык и не уровень, а чувство: «Я часть». Именно поэтому я не делю евреев на «соблюдающих» и «несоблюдающих». Такое деление поверхностно. Мы все на пути, и даже тот, кто сегодня называет себя далёким или атеистом, часто просто не встретил настоящей, живой Торы. Еврейская душа не исчезает.

Моя задача — помочь пробудить понимание, что быть евреем по происхождению — это не просто исторический факт или неизбежная судьба. Быть евреем — не бремя, а радостный, осмысленный способ жить. Эта радость рождается не только из внешних форм, но прежде всего из глубокого удовольствия, которое человек находит в самой сути Торы и заповедей. Заповеди становятся не просто исполнением веления, а живым диалогом с Богом, источником вдохновения и света. Тора — не только свод законов, а встреча с вечностью, возможность ощущать себя частью великого замысла.

Принадлежность к народу Израиля — не просто этническая или историческая категория, а способ существования: думать, радоваться, творить и чувствовать. Это путь, превращающий жизнь из механического существования в полное смысла и радости бытие. В этом и заключается сила еврейской души: исполнять заповеди не по инерции, а с осознанием и радостью, когда каждый шаг становится выражением связи с Источником жизни.

Я пришёл в Хемниц не поучать и не судить, а учиться вместе с вами, делиться знаниями и любовью к учёбе. Учёба — это не просто передача информации, это встреча с собой, с Торой, с общиной и с Творцом. Это движение души, которое оживляет и соединяет нас друг с другом.

Одной из главных задач я вижу вовлечение в жизнь общины не только тех, кто уже активно участвует, но и тех, кто пока в стороне. Мы должны дотянуться до тех, кто потерял контакт, сомневается или просто не знает, что у него есть место. Это задача для всех нас. Каждый может стать мостом — через слово, приглашение, доброе внимание.

Я также открыт к вопросам гиюра, особенно для зэра Исраэль — потомков евреев, которые хотят вернуться к своим корням. Этот путь требует усилий и честности, но он имеет огромное значение как для человека, так и для всего народа. Я готов сопровождать этот процесс с уважением, строгостью и сочувствием.

И наконец — мечта. Чтобы Хемниц стал магнитом для всей Саксонии, а может и для всей Германии. Чтобы сюда стремились те, кто хочет подарить своим детям не только юридический статус, но живую еврейскую душу. Чтобы здесь ощущались радость, тепло, смех и музыка жизни, которая рождается, когда Тора становится частью сердца.

Давайте строить вместе. Со смыслом, с мужеством, с добротой и надеждой.

Мои двери открыты. Моё сердце — тоже.

С уважением и теплотой,
Рав Михаэль Едвабный

Sächsischer Verdienstorden für den Direktor des Ariowitsch-Hauses

Sächsischer Verdienstorden für den Direktor des Ariowitsch-Hauses

Dresden/Leipzig, 17. Juni 2025. Herzlichen Glückwunsch an Küf Kaufmann! Der Direktor des Ariowitsch-Hauses und Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig ist heute mit dem Sächsischen Verdienstorden ausgezeichnet worden. Die höchste Auszeichnung des Freistaates erhielt er im Dresdner Residenzschloss aus den Händen von Landtagspräsident Alexander Dierks in Vertretung von Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Dierks würdigte Küf Kaufmann, der 1990 aus der Sowjetunion nach Deutschland kam, als Brückenbauer. „Er sucht danach, was Menschen verbindet und bringt sie zusammen.“ Als Kabarettist und Autor nähere er sich  den Widersprüchlichkeiten des menschlichen Miteinanders mit seinem ganz eigenen Humor. Dierks würdigte Küf Kaufmanns Engagement für den interreligiösen Dialog und die interkulturelle Verständigung, verwies aber auch auf seine Verdienste um das Zusammenwachsen der jüdischen Gemeinschaft in Leipzig und um die Integration von Zuwanderern. Für die Stadt Leipzig sei er ein hoch geschätzter und verlässlicher Partner, ob zum Beispiel bei der Verlegung von Stolpersteinen oder bei der  Organisation der Jüdischen Woche. Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden sagt: Mazel tow, lieber Küf!

L’Chaim – Pädagogen informieren sich in Bischofswerda über jüdisches Leben

L’Chaim – Pädagogen informieren sich in Bischofswerda über jüdisches Leben

Dresden, 11. Juni 2025. Am 4. Juni fand in Bischofswerda der Fachtag „L’Chaim! Angebote zur Begegnung mit jüdischem Leben“ für Pädagog*innen statt, zu dem das Bündnis gegen Antisemitismus in Dresden und Ostsachsen eingeladen hatte. Ziel war es, die vielfältigen Angebote rund um Begegnungen mit dem jüdischen Leben im Freistaat Sachsen bekannter zu machen.

Vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden nahm Nina Fridman an der Tagung teil. Sie stellte in einem Workshop den Landesverband vor, gab Einblicke in die Jugendarbeit des Verbandes und präsentierte das Projekt „2 Länder, 2 Heimaten, 1 Religion“. Dieses fördert die Gemeinschaft und den Austausch von jungen Mitgliedern der jüdischen Gemeinden in Dresden, Leipzig und Chemnitz, die oft aus zugewanderten Familien stammen. Fazit für den Landesverband: Es war für uns eine gute Gelegenheit, jüdisches Leben in Sachsen sichtbarer zu machen und den Austausch mit Pädagog*innen zu fördern.

Jüdische Campuswoche 2025

Willkommen zur Jüdischen Campuswoche 2025 in Mitteldeutschland

Dresden, 8. Mai 2025. Die Stärkung von jüdischen Perspektiven an Universitäten und Hochschulen in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Jena und Halle ist das Ziel der jüdischen Campuswoche, die in der Zeit 19. bis 25. Mai stattfindet. Veranstalter ist die Jüdische Allianz Mitteldeutschland (JAM), die damit jüdisches Leben in seiner Vielfalt sichtbar machen, Begegnungen fördern und Raum für offenen Austausch schaffen will. „In einer Zeit, in der der Antisemitismus aus allen politischen Richtungen zunehmend erstarkt, wird das Judentum immer unsichtbarer. Die Jüdische Campuswoche möchte diesem Trend entgegenwirken und die vielfältige Kultur des Judentums sichtbar machen“, sagt der Vorsitzende von JAM, Alexander Tsyterer. 

Organisiert von jungen Menschen für junge Menschen, bringt die Campuswoche Studierende und Hochschulangehörige zusammen. Im Mittelpunkt stehen Vorträge, Workshops und kreative Formate, die sich mit jüdischer Geschichte, Kultur und Gegenwart in Deutschland beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um Information, sondern auch um Empowerment und darum, jüdische Narrative selbstbewusst in den Hochschulkontext einzubringen. 

Auf dem Programm steht zum Beispiel ein Hebräisch-Schnupperkurs in Leipzig, ein Treffen mit der Holocaust-Überlebenden Renate Aris in Dresden, koschere Weinverkostung in Chemnitz, ein Filmabend über jüdisches Leben zwischen Klischees und Realität in Jena und eine Podiumsdiskussion über Antisemitismus an Hochschulen in Halle.

Das komplette Programm gibt es hier.

Thomas Feist zu Jom ha-Schoa

Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben fordert „unmissverständliche Unterstützung“ für Israel

Dresden, 24. April 2025. Der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben, Thomas Feist, forderte am Gedenktag Jom ha-Schoa eine unmissverständliche Unterstützung des Staates Israel. Feist schrieb in einer Pressemitteilung: „Am 24. April 2025, dem Gedenktag Yom HaShoa 2025, gedenken wir in Sachsen der Millionen jüdischer Frauen, Männer und Kinder, die im Holocaust ermordet wurden. Wir erinnern an ihr Leiden, an die unermessliche Lücke, die ihr Verlust im Freistaat Sachsen hinterlassen hat.“ 

Weiter hieß es darin: Das Gedenken „führt uns zu einer tiefen Solidarität mit den Jüdinnen und Juden in Deutschland und weltweit – und ebenso zu einer unmissverständlichen Unterstützung Israels. Gerade in Zeiten, in denen Judenhass wieder offen zutage tritt, müssen wir in Sachsen konsequent und entschieden gegen jeden Antisemitismus vorgehen“, so Thomas Feist.

Hier gibt es die Pressemitteilung im Original.